Das  Buch

Eine Familie mit drei Kindern verbringt ein Jahr in Italien, genauer gesagt in Rom. Die Familie ist eine so genannte Bundeswehrfamilie, an Umzüge und neue Umgebungen gewöhnt. Diesmal ist es jedoch auch für sie etwas Besonderes, denn zum Orts- und Schulwechsel, zur Gewöhnung an neue Nachbarn, kommen dieses Mal ein neue Sprache, eine andere Lebensphilosophie und ein anderes Klima hinzu. Außerdem sind die geliebten Großeltern, das gewohnte Netz der Verwandten und Freunde weit weg. Die Familie besteht aus Michael, dem Vater und Familienoberhaupt, aus Johanna, der elfjährigen Tochter, aus dem fast zehnjährigen David, aus Katharina (sieben Jahre alt) und aus Erika, der Mutter und Computerbesessenen, die das hier vorliegende Tagebuch Tag für Tag im Internet entstehen ließ. Michael fuhr jeden Tag mit dem Motorrad in die Innenstadt direkt an den Tiber, wo er den italienischen Generalstabslehrgang als Gast besuchen durfte. Die Kinder gelangten mit Auto und Schulbus in die entfernte, aber geliebte Deutsche Schule Rom, während Erika Zeit genug hatte, die Italiener, Italien und Rom kennen zu lernen.

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Organisatorisches

Heute statten wir der Schule einen Besuch ab, denn es gibt noch so einiges zu erledigen. Die ganze Angelegenheit dauert etwa eineinhalb Stunden, dann haben wir alles geklärt.

Wir fahren direkt weiter in die Stadt zur Herder-Buchhandlung, wo die Schulbücher für die Kinder abzuholen sind. Der Verkehr ist chaotisch, Parkhäuser gibt es in Roms Innenstadt nicht. Ich finde eine Lücke auf einem Taxistand auf der Piazza San Silvestro. Ich lasse David und Johanna im Wagen, nachdem ich ihnen den Satz: "Mama torna subito." beigebracht habe, und laufe mit Katharina durch den brausenden Verkehr Roms zu Buchhandlung. Zwanzig Minuten später sitzen wir schwitzend wieder im Auto, mit drei Tüten Büchern und 700 DM weniger.

Wir wollen wieder raus aus Rom und verfranzen uns erst mal ordentlich. Mittlerweile werden wir hungrig und müde. Ich entdecke ein Straßen-Restaurant, dass gut besucht aussieht; das kann ja nicht so teuer sein, die Gegend sieht auch nicht so piekfein aus.

Wie sich hinterher herausstellt, handelt es sich um eines der besseren Restaurants von Rom, 'La Celestina' in der Via Parioli (sehr zu empfehlen). Wir essen jeder einen Berg Spaghetti, trinken ein großes Glas Cola, einen Espresso zusätzlich für mich. Wir kommen mit 50 000 Lire davon, da die Getränke nicht berechnet wurden(!?).

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Bella

Endlich bekomme ich einmal einen ganz anderen Einblick in das italienische Gesundheitswesen. So ganz anders als meine Erfahrungen mit dem Krankenhaus. Ich rufe Mittwoch für einen Termin in der Klinik an, und bekomme ihn prompt für Freitag morgen um neun Uhr. Wir erscheinen pünktlich und nüchtern. Unsere Personalien werden sofort und freundlich aufgenommen. Alles ist hell und sauber eingerichtet, das Wartezimmer groß und keiner der Ärzte oder Pfleger raucht. Bella bekommt eine Beruhigungsspritze und als sie fast nichts mehr von ihrer Umgebung mitbekommt, darf ich gehen. Richtig - es handelt sich um eine Tierarztpraxis! Bella kommt heute unters Messer, denn wir werden nicht noch einmal gegen diesen Ansturm von Verehrern ankämpfen. Sie wird sterilisiert.

Ich hole sie um drei Uhr nachmittags zusammen mit Michael und Katharina wieder ab. Frisch operiert und noch ganz benommen von der Narkose, lässt sie sich wie ein Paket ins Auto und nach Hause verfrachten. Der Arzt versichert uns, dass wir da einen richtig guten und kerngesunden Hund von höchstens eineinhalb Jahren aufgenommen haben, der die Operation schnell vergessen haben wird.

Zu Hause bekommt sie ein ruhiges Plätzchen auf einem Handtuch an der Heizung. Schon bald macht sie ihre ersten unsicheren Gehversuche.

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Träumerei

Wenn ich ein Single wäre oder zumindest ohne Kinder, dann würde ich mir eine Wohnung in den oberen Etagen an der Piazza Vittorio Emanuele II mieten. Hier gefällt es mir! Nicht, dass die Gegend hübsch wäre oder ruhig, nein - hier ist einfach städtisches Leben in all seiner Vielfalt zu spüren.

Der rechteckige Platz liegt auf dem Esquilin, einem der sieben Hügel, unweit des Bahnhofs. In der Mitte findet ein Park mittleren Ausmaßes Platz (Fußballplatzgröße?), mit Rasen, Palmen, modernen Skulpturen, glatten weißen Gehwegen (vielleicht Travertin?) und die Ausgänge der Metro. Hier tummeln sich nicht nur alte Leute, Mütter mit Kindern und Studenten, sondern auch Penner und wahrscheinlich auch Drogenverkäufer. Das Leben ist eben nicht nur schön und Hochglanz.

Den Park umgibt ein hohes schmiedeisernes Gitter mit vier Ausgängen. Außen am Gitter ist ein breiter Bürgersteig, auf dem jeden Tag (außer Sonntags) ab acht Uhr ein richtiger römischer Markt abgehalten wird. Hier gibt es wirklich alles: frischen Fisch, Meeresfrüchte aller Art, Gemüse, Gewürze, Käse, Fleisch ... alles in rauhen Mengen. Daneben natürlich auch Haushaltswaren und Kleidung.

Um das alles herum führt die Straße, die nicht im Verkehrschaos zu ersticken scheint, wie so viele andere in Rom. Wie es aussieht, kann man auch den ein oder andern Parkplatz finden.

Jenseits der Straße stehen nun stolz die hohen Häuser, die im Parterre Platz für einen breiten überdachten Säulengang bieten, der mosaikartig mit bunten Steinen gepflastert ist. Dort finden sich Geschäfte aller Art und für jeden Geldbeutel, obwohl ich das allzu feine Publikum nicht hier vermute. Außerdem, und das schätze ich besonders, gibt es kleine Bars, die auch noch im November ihre Tische draußen (unterm Dach) stehen haben.

Heute morgen z.B. war ein wirklich lauer Morgen. Ich habe von 8 Uhr bis fast halb zehn dort gesessen (bei 20 Grad), gelesen und ein kleines Schwätzchen mit einer alten Römerin gehalten. Dann habe ich noch schnell einen Espresso im Stehen gekippt und bin zu meinem Italienischkurs geeilt, der zwei Straßen weiter stattfindet.

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