wer mehr über den Cilento und die vielen Möglichkeiten wissen will, die es dort zu entdecken gibt, dem sei das Buch von Peter Amann empfohlen. --->hier

Il Cilento - das unbekannte Paradies jenseits von Eboli

testo in italiano

Einer der größten Nationalparks Italiens erwacht aus seinem Dornröschenschlaf

Noch ist er ein Geheimtipp - der Cilento, sucht man ihn doch oft vergebens in den Reiseführern. Diese berichten von Paestum, machen dann aber einen Sprung nach Sizilien und Sardinien und unterschlagen eines der schönsten Fleckchen italienischen Bodens.
Und direkt hinter Paestum beginnt er auch schon. Er gehört zur Provinz Salerno, im Land Kampanien, von dem vor allem die Touristenmagnete Capri, Ischia und die Amalfiküste bekannt sind. Aber vor einem Vergleich muss sich der Cilento nicht scheuen. 


Türkisblaues Wasser, schroffe Klippen, sanft geschwungene Buchten mit sauberen Stränden bilden den Kontrast zu immergrünen Eichenwäldern, karstigen Felsen, tiefen Schluchten und lieblichen Olivenhainen. Die Dörfer scheinen sich auf die steinigsten und unfruchtbarsten Stellen zu drängen, um keinen Handbreit des Bodens zu verschwenden, dem sie in mühevoller Arbeit Zitronen, Wein und Oliven abringen. Der Esel ist wie in Vorzeiten gutmütiges Transporttier, wo selbst die dreirädrige Ape nicht mehr hinkommt. Trutzige Kirchlein schauen grau aus dem Grau der Häuschen. Hier und da Ruinen, Wehrtürmchen, Zitadellen, die von der Bedrohung durch die Sarazenen und den vielen anderen Eroberern erzählen, die diese Landschaft im Laufe der Jahrtausende gesehen hat. 

Die Geschichte vom Aufstieg und Kultur des Abendlandes begann hier als "Magna Grecia" ( Großgriechenland) - unter diesem  Namen wurde ganz Süditalien vor etwa dreitausend Jahren als neuer Lebensraum der Griechen "eingemeindet". Augenfälligstes Beispiel sind die Tempel von Poseidonia, von den Römern später in Paestum umbenannt. Auch Ortsnamen, wie Agropoli (Akropolis = hochgelegene Stadt) oder Scario (Skariòs = kleine Schiffswerft) zeugen von ihren griechischen Anfängen. Berühmte griechische Philosophenschulen, wie z.B. die von Parmenides, wurden hier gegründet. Die bekanntesten griechischen Heldensagen spielten sich gerade hier ab - eine Tatsache, die in den Schulbüchern nordeuropäischer Kinder scheinbar zu erwähnen vergessen worden ist. 

Schon vor Millionen von Jahren war die Gegend bewohnt. Zahlreiche Funde in den mehr als zweihundert Höhlen beweisen es. Neben der Attraktion, ein überreiches Kulturerbe zu besitzen, kann der Cilento auf eine einzigartige Fülle von Naturschätzen stolz sein. Wunderschöne Bergstrecken führen durch das Innere des Cilento. Alte Städtchen wie Roccadaspide, Castel San Lorenzo oder Bellosguardo (= schöne Aussicht) sind meist hochgelegen, gedrängt auf Berghöhen, und bieten herrliche Ausblicke auf weitgeschwungene Täler. Die höchsten Gipfel erreichen fast die zweitausender Grenze - mit 1898 müM ist der Monte Cervati zugleich der höchste Berg Kampaniens. Die Schluchten der Flüsse Alento, Sele, Calore - um nur die wichtigsten zu nennen - schneiden sich tief in die grüne Landschaft. An ihren Hängen leuchtet weiß der bloße Fels. Hier findet noch der Königsadler seine begehrten Nistplätze, der Fischotter ist immer noch heimisch und sogar ein paar Wolfsfamilien gibt es hier. Der Wanderer hat nichts von diesen scheuen Tieren zu befürchten; gefährlicher sind die Wildschweinhorden, die den fruchtbaren Waldboden nach Kastanien und Eicheln durchpflügen. Zweimal im Jahr kommen sich Mensch und Tier auch bei der Suche der begehrten Funghi Porcini (Steinpilze) in die Quere. Geduldige Naturbeobachter können seltene Schmetterlinge entdecken, die andernorts längst keinen Lebensraum mehr finden. Die Primel von Palinuro (Primula palinuro) ist zum Wahrzeichen des Nationalparks geworden, und Punta Licosa ist stolz auf seine Aleppokiefern (Pinus halepensis).

Mit mehr als 100 km Küstenlinie am tyrrhenischen Meer zwischen Paestum und Sapri und über 180 000 Hektar Landfläche ist der "Parco Nazionale del Cilento e Vallo di Diano", so sein offizieller Name, einer der größten Nationalparks Italiens. Seit 1973 geplant, 1991 eingeweiht, präsentiert er sich heute in den mehrfach diskutierten und veränderten Grenzen von 1995. Er zählt außerdem zu den 329, von der UNESCO weltweit anerkannten Biosphärenreservaten der Welt. Nicht jedem der betroffenen Einwohner ist der Nationalparkgedanke nahe zu bringen; manchem scheinen Industrieansiedlungen mehr Arbeitsplätze und Reichtum abzuwerfen, als es der Tourismus vermöchte. Gute Anfänge sind jedoch gemacht und vielversprechende Initiativen zeigen bereits schöne Erfolge. Die Sünden, die in anderen Orten touristischen Interesses aus Spekulationswut und falscher Beratung begangen wurden, konnten hier vermieden werden. Die Bedeutung des Kleinods Cilento wurde erst relativ spät erkannt, so dass aus den Fehlern und Problemen der anderen gelernt werden konnte. Hotels, Restaurants und ausgearbeitete Routen für jeden Geschmack wurden und werden so geplant, dass alles kompromisslos zum Konzept des "sanften Tourismus" passt. 

Was verbinden Sie mit richtigem Urlaub? Welches ist Ihr ganz geheimer Ferienwunsch? Sie haben lediglich die Qual der Wahl! Stellen Sie die richtige Frage - im Cilento finden Sie die Antwort! Außer mit dem Wolkenkratzer in einer lärmenden Großstadt, kann hier so ziemlich mit allem gedient werden. Tauchen, Segeln, Radfahren, Trekking, Naturbeobachtung, Wassersport aller Art ... Archäologie, Geschichte, Kultur ... die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Oder möchten Sie vielleicht einen Blick hinter die Kulissen werfen und lernen, wie Mozzarella, Olivenöl, Limoncello oder Wein hergestellt werden?
Fremdenverkehrsämter und Reiseveranstalter vor Ort stellen ein gut ausgebildetes freundliches Team, welches den Reisenden berät und begleitet, um so den Aufenthalt im Cilento zu einem besonderen Erlebnis werden zu lassen. Tatkräftige Unterstützung kommt dabei von den Menschen des Cilento, die durch ihre harten Lebensbedingungen und ihre wechselhafte Geschichte zu wahren Experten in Gastfreundschaft und Nachbarschaftshilfe geworden sind. Sie haben außerdem ihr Brauchtum und ihr Folklore bewahrt. Bei den zahlreichen Festen im Jahreskreis, zu denen sie Gäste herzlich willkommen heißen, ist noch zu spüren, dass sie für sich und aus echter Freude feiern. Es bleibt zu wünschen, dass diese Frische und Natürlichkeit nicht verloren geht, wenn mehr Reisende dieses schöne Land besuchen wollen.

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